Wieder son normaler Tag – Kapitel 1

Kapitel 1

Mein Messer fiel mir blutgetränkt auf die Theke einer fünfköpfigen Familie. Ihren Vater hatte ich gemeinsam vor ihren Augen ermordet. Das war das Einzige, was mir gerade noch Freude bereiten konnte nach 15 Jahren. Beim ersten Mal war es noch spaßig zu sehen, wie ich mit der Motorsäge einen Abi-Ball sprengen konnte, kurz bevor es Mitternacht schlug und ich frisch vergnügt in meinem Bett aufwachen konnte. Wie die beiden Mädchen schrien, war unvergleichlich. Aber was sollte schon groß passieren. Es war wie ein Videospiel, bei dem ständig die Reset Taste gedrückt werden konnte. Ich war der König dieses Spiels. Ein Gott. Vielleicht lag es auch daran, dass ich mich hier so aufführte. Die Holzdielen der Treppen knarrten, während ich die Mädchen an ihren Haaren die Stufe für Stufe herunterzog. Sie wendeten sich wie verrückt und unten hörte ich die Eltern geknebelt schreien. Eine ziemlich normale Vorstadtfamilie. Fast schon wie eine dieser Werbefamilien. Doch eine Tochter war zu viel. Zumindest laut dem Bild. Und einen verdammten Köter hatten die auch nicht. Wann ich wohl so abgestumpft war? Im Grunde wollte ich sie auch nicht umbringen, mir war heute nur nach ein bisschen Horror und da ich bereits jedes verschissene VR Spiel durchgespielt habe und mittlerweile verbunden Klavierstücke auswendig konnte wurde mir einfach verdammt langweilig. Ich fing an mich an eine Tag nicht zu duschen. Was nicht viel ausmachte. Ich versuchte mit den schlimmsten Methoden Frauen, sowie Männer aufzureißen. Ja, meine Sexualität wurde auch ziemlich flüssig durch die Wiederholung. Ach… Die sollen endlich die Klappe halten. Tock.. Tock.. Tock.. Okay, da sitzen die beiden. Strampeln auch wie verrückt. Die letzte Familie konnte sich schneller entscheiden. Mal sehen, welches Kind hier dran glauben muss. Alsooo, dabei blickte ich zuerst der Mutter und dann dem Vater ins Gesicht. Ein wirklich bildhübsches Paar. Ich mit meinen Mitte Vierzig hatte schon bessere Tage gesehen, aber unter der Bärenmaske war das eh nicht so wichtig. Sagt mal, wer von den beiden soll dran glauben? Ich zog die Mädchen an ihren Zöpfen nach oben und hielt sie nach an die Gesichter der beiden. Ich hatte trainiert. Zusammen wogen die beiden vielleicht um die 30 kg. Kein Problem für mich. Das beste am Training war, dass ich keinen Muskelkater davon trug, aber mein Körper sich anfühlte, als hätte er trainiert. Somit wuchsen meine Arme ins Unbeschreibliche. Zwei kleine Mädchen waren dabei ein Klacks. Die Linke? Ja, die sieht auch nicht mehr so frisch aus. Ist das die Ältere der Beiden? Die Eltern fingen laut an zu stöhnen und zu weinen. Die Mutter zumindest. Der Vater jedoch versuchte still zu sein und sich langsam aus den Fesseln zu lösen. Nur damit er sich dann losmachen konnte und ich ihn zuerst abstechen konnte. Ja, alles geplant. Gerade so fest verschnürt, dass es so kommen musste, wie es nun mal kam. War auch die erste Familie, bei der ich mir theatralisch Mühe gab. Normalerweise reichte es einfach anzuklopfen und direkt an der Haustür meine Messerstiche abzugeben. Richtig Mühe geben muss ich mir dabei auch nicht. Zack abgemurkst und weiter zum nächsten. Die meisten Familien sind um diese Uhrzeit eh nicht mehr so wachsam. Es ist auch noch nie was passiert in diesem Dorf. Was sich diese frühe Nacht schlagartig verändern sollte. Dabei hätte es so ein schöner Tag für sie werden können. Richtig durchgeplant hatte ich das auch nicht. Zack von hier nach da. Da mal die Kettensäge, die ich elegant auf dem Rücken trug. Hier die Schrotflinte, die ich vor drei Wochen hinter einer Scheune unbeaufsichtigt hab liegen sehen. Und jetzt stand ich also vor der Familie. Der Vater riss sich langsam aber stetig aus seinen Fesseln los, so als hätte er eine geringe Chance. Aber ich ließ es darauf ankommen. Komm schon ran… Ich habe doch sonst nichts zu tun. Sie werden sich sicher fragen, weshalb ich so gelangweilt wirke. Das werde ich auch noch auflösen, aber alles zu seiner Zeit. Bei dem Wort Zeit werde ich meist so melancholisch. Wie es wohl sein muss… Während ich abgeschweift im mit stilvollem mit Holzparkett ausgelegtem Wohnzimmer stand war da der Vater und schlug mir mit all seiner Macht, nicht viel, mitten ins Gesicht ungeachtet der Töchter. Ein mutiger Typ. Ich ließ eine der Töchter los, die unentwegt weiter schrien. Nervige Biester. Schade, dass ich nie sowas haben werde. Ein weiterer Haken mitten auf die Maske. Meine Nase fing an zu knacken und der Schmerz durchzog mich. Zeit aufzuwachen fasste ich mit der linken Hand gekonnt von oben an meinem Rücken hinunter und Griff die Bosch Kettensäge, die mit dem Griff zu meinem Kopf an einem dicken Tau befestigt um meinen Oberkörper gebunden hing. Langsam, während ich weiter Schläge kassierte nahm ich die Kettensäge. Ließ die andere Tochter fallen, die so schnell es ging in die Küche ran. Vollkommen aufgelöst. Ich stieß ihn mit einem Kick von mir weg, nahm die Kettensäge und ließ sie laut aufheulen. Plötzlich war alles still um mich herum. Für einen kurzen Moment übertönte die Kettensäge sämtliches Geheule, das Gewimmer der Frau, die beinahe ohnmächtig in ihrem Stuhl saß. Ein kurzer Moment der Stille. Die letzten fünf Jahre schienen Revue zu passieren, während ich mich an mein Werk machen wollte. Der Vater lag dort vor mir ausgestreckt. 11 Uhr 30. Bis ich hier fertig bin, sollte ich wieder wohlig in meinem Bett liegen. Aber erstmal ans Eingemachte. Die Maschine tuckerte munter vor sich hin. Ich spürte den Boden unter mir. Jede Rille. Ich ging barfuß auf ihn zu. Ein Bär, der sich seinen Fisch angeln wollte. Mit einer Kettensäge, aber es hatte auch seine Poesie. Beinahe harmonisch, wie die Stimmen ineinander fanden. Meine Hand fand den Abzug und ließ sie laut aufheulen. Bzzzzzzaaaaaaaaa…. Mich erfüllte es mit einem Rausch, den ich noch von meiner ersten Drogenparty kannte. Solle jemand ein Bild von mir malen, so wäre es verdorben und wäre kurz davor von mir erstochen zu werden. Der Vater bewegte sich unterdessen nicht. Sein Atem ging flach. Wahrscheinlich wollte er, dass ich denke ich hätte ihn ausgeknockt. Oder hatte ich das? Ich hielt meinen Kopf schräg und fragte mich nun tatsächlich, ob er simulierte oder ich meine Kräfte nicht mehr einschätzen konnte. Ich legte die Kettensäge in meine linke Hand, sie streifte mit ihrer Kette den glatten Fußboden und hinterließ eine raue Spur im sonst beinahe makellosen Holzboden. Ansonsten war die Wohnung auch geschmackvoll eingerichtet. Sah aus wie zwei gute Jahresgehälter. Bestimmt Ärzte, die sich nur untereinander paaren oder andere Wohltäter dieser Gesellschaft. Lehrer vielleicht? Ich stand vor dem Simulanten. Anders konnte ich es mir wirklich nicht vorstellen. Zumindest will ich nicht hoffen, dass es nur dieser eine Tritt gewesen sein soll. Ich hob die Kettensäge über meinen Kopf und ließ sie nochmals lauf schreien. Während sich die Zahnblätter drehten, sah ich auf die Uhr. Fünf nach halb. Noch gute 25 Minuten und das alles hier löst sich in Wohlgefallen auf. Wie wundervoll. Alles fühlte sich an wie ein großes Spiel. Während die Eingeweide dieses Mannes mir entgegenspritzten. Ein großes Spiel weshalb auch immer ich hatte anscheinend Glück. Die zweite Wohnung, die ich betrat, war nicht ansatzweise so schön eingerichtet wie die vorherige. Dort gab es keine weißen Designermöbel und helle offene Räume. Alles war etwas abgeranzt. Von außen ließ es das Haus nicht vermuten. Aber umso interessanter war der Kontrast des Blutes, der sich auf den teuren Möbeln der vorherigen Wohnung niederließ. Niemand blieb übrig. Wenn es Haustiere gab, so ließ ich diese übrig, außer sie hatten die nervige Angewohnheit sich in den Kampf mit einzumischen. Dann gab es kurzen Prozess. Die ganz üblen Fälle waren der Schrotflinte würdig, für die ich ein Arsenal aus Munition um meinen Gürtel trug. Ungefähr 15 Schuss bevor ich mir neue holen musste aus dem Schuppen des toten Sam, der mir durch seine Stimme tierisch auf die Nerven ging. Schummriges Licht durchzog meinen Körper. Es waren nur noch 5 Minuten. Also sollte ich mich schnell beeilen. Ich rief, wie ein Kind, das Ein Zwei drei Versteck dich spielen wollte: Wo auch immer hier jemand stecken mag, komm raus zum Spielen. Doch kein Sterbenswörtchen. Ich ging weiter durch die Zimmer und fand in einem der Räume ein Bettgestell mit allerlei Apparaturen. Große Blasebälge und tatsächlich lag da mitten in all dieser Beinahe-Dunkelheit jemand und atmete anscheinend schwer, während eine Dialyse zu laufen schien. Munter beachtete ich das Treiben, das sich vor mir abspielte. Beinahe wie ein lebendiges Tier. Der Atem des Menschen im Bett stotterte. Spürte er meine Anwesenheit? Gut möglich. Vielleicht konnte ich ihn auch von seinem Leiden erlösen. Schade, dass es diesmal so schnell umgehen sollte. Ich ging näher ran. Das Wesen, das dort lag, war alt. Zumindest fühlte es sich so an, als ich näher trat. Dünne faltige Arme lagen neben der Bettdecke und waren annähernd grünlich mit silber- grauen kleinen Lichtreflexen, die das schummrige in der Haut des Alten verstärkten.

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